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Johannes-Paul II., 15. August 1983 : "Das Leben lieben"

Lourdes, Jean-Paul II en 1983

Botschaft von Papst Johannes-Paul II. an die Jugendlichen in der Basilika St. Pius X. am 15. August 1983.

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Liebe Jugend Frankreichs, Europas und der anderen Länder! Ich freue mich, diese Gedanken mit euch weiterzuführen. Wir haben den Glauben des Propheten Jesaja in uns aufgenommen: "Gott ist immer Erlöser." Ebenso nah ist uns die Vision der ersten christlichen Gemeinde von Jerusalem, die so brüderlich um den Apostel Petrus versammelt und Maria, der Mutter Jesu, so nahe war. Jene Männer und Frauen, die uns vorangegangen sind, sind für uns Väter und Mütter, aber im Glauben sind sie mit uns lebendig. Unser Loblied hat in unserem Herzen gerade das Wunder der Gemeinschaft Gottes mit der Menschheit wiederaufleben lassen, so dass wir diesen Hochgesang erneut aufnehmen können, der dem demütigen und im Glauben brennenden Herzen unserer Herrin entspringt.

Manche von euch haben verschiedene Fragen an mich gestellt. Ich kann hier nicht auf jede einzelne eingehen, ich werde aber während dieser unserer Besinnung meine Gedanken auf sie gerichtet lassen.

"Meine Seele preist die Größe des Herrn" (vgl. Lk 1, 46).

Vor allem will ich danken für unsere tiefe Verbundenheit: die Jugend mit dem Papst und der Papst mit euch. Gelobt seist du, o Herr, für diese Jugendlichen, die nach Lourdes gekommen sind, um gemeinsam zu beten, brüderliche Freundschaft und den Dienst am Kranken zu erleben und um die Kirche zu erfahren. Gelobt seist du, o Herr, für all das, was du uns in Lourdes erleben lässt, an diesem Ort der Hoffnung so vieler, leidender Menschen, dem Ort der Bekehrung jener, die Gott wirklich suchen! Diese Hoffnung und diese Bekehrung sind an die Gegenwart Mariens in uns gebunden. Und sie selbst kommt zu uns auf geheimnisvolle Weise, um uns eine andere Präsenz, nämlich Gott selbst in der Person seines innig geliebten Sohnes, zu offenbaren. Sie überzeugt uns, genau wie die Jünger, voller Vertrauen zu ihm zu kommen.

"Selig ist die, die geglaubt hat!" (vgl. Lk 1, 45).

Maria vor allem führt uns zum Glauben hin. Zum Glauben an die Liebe Gott Vaters, die uns immerwährend umgibt. Nicht wir haben Gott geliebt, er war es, der als erster geliebt hat. Zum Glauben an die in der Erlösung offenbarte Macht Christi. Er ist der von Jesaja prophezeite Erlöser. Er ist die überfließende Lebensquelle. Er ist die Wahrheit Gottes und die Wahrheit unseres armseligen Daseins. Er ist der Weg Gottes und der Weg des Menschen, er ist der einzige Mensch, der vollkommen nach seiner Berufung lebte. Zum Glauben an den Heiligen Geist, den Maria rückhaltlos in sich aufgenommen hat und der auch uns begegnet ist. Wir sind uns dieser Liebe der göttlichen Dreifaltigkeit gewiss; indem wir uns im Glauben ihm hingeben, werden wir mit Maria selig sein und die Freude und Kraft der Liebe erleben. Durch die Taufe, die Firmung, das Sakrament der Beichte, die Eucharistie und andere Handlungen der Kirche ist Christus zu uns gekommen, ohne unser Verdienst und manchmal sogar, ohne dass wir ihn sofort erkannt hätten.

Maria möge uns helfen, die Verkündigung der Liebe Gottes in Bescheidenheit anzunehmen und daran zu glauben, trotz der Zweifel, die die Gesellschaft und wir selbst in unsere Herzen säen. Wir dürfen keine Angst haben! Und wenn solche Schwierigkeiten nicht zu bewältigen sind, dann beten wir, trotzdem oder gerade deswegen, im Glauben festzubleiben, weil wir dann unser Vertrauen und unsere Treue unter Beweis stellen können. Unser Glaube wird wachsen durch eine tiefe Erkenntnis der Worte Gottes und der nie endenden Ausstrahlung der Kirche und ihrer lebendigen Überlieferung. Wir wollen versuchen, der Wahrheit nach zu leben, um ans Licht zu gelangen.

Lasst uns so klar und stark glauben wie Bernadette: Sie, die an die Botschaft Mariens glaubte, war im Alter von 15 Jahren so mutig, sich dem Misstrauen der Erwachsenenwelt entgegenzustellen, um getreu von der erhaltenen Botschaft Zeugnis zu geben.

"Für Gott ist nichts unmöglich" (vgl. Lk 1, 37).

Lourdes, Jean-Paul II en 1983

Dieses Versprechen des Engels an Maria nehmen wir auf. Wir brauchen die Hoffnung, die den Glauben weiterführt. Viele werden aus der Fassung gebracht, werden unruhig und flügellahm vor den drängenden, besorgniserregenden Fragen unserer Zeit: Was bringt die Zukunft? Was für eine Arbeit wird man finden? Wer brächte es fertig, die Mängel der Gesellschaft zu überwinden? Welchen Anstrengungen gelänge es, die großen Weltprobleme des Hungers, des Krieges, der Verletzung der Menschenrechte einer Lösung zuzuführen? Was bedeutet unser guter Wille für so viele? Und was ist schließlich der Sinn dieses Lebens? Manche fühlen sich unnütz in einer gealterten Welt, unfähig, in einer verschlossenen Welt etwas zu leisten, sie zweifeln selbst am Wert ihres Daseins als Christen.
Wir sind gewiss nicht davon dispensiert, uns Gedanken zu machen und unsere Freiheit in einem Einsatz zu investieren, der Geduld fordert und etwas kostet: Die Hoffnung will das alles nicht ersetzen.

Aber Gott zeigt uns, um was wir ihn zuerst bitten müssen: um den Heiligen Geist, seinen Geist, der das Antlitz der Erde erneuert, weil er unseren Geist, unser Herz erneuert. Maria hat sich dem Heiligen Geist geöffnet. Der Mächtige hat Wunder an ihr vollbracht. Er wird Großes auch in uns tun. Er wird uns dazu bringen, dass wir Christus folgen: Hat nicht der Herr, als er sich den Versuchungen der Macht, des Reichtums, des Stolzes entzog und sich an das Ideal der Seligpreisungen band, eine wirklich neue Welt angebahnt? Er wird unsere Hoffnung, die wir auf ihn setzen, nicht enttäuschen.

,,Maria machte sich auf den Weg, und eilte in das Haus ihrer Verwandten
Elisabet" (vgl. Lk 1, 39-40).


Der Glaube und die Hoffnung führen zur Nächstenliebe. Jedes Dasein zieht seinen Wert aus der Qualität der Liebe. Sage mir, wie deine Liebe beschaffen ist, und ich sage dir, wer du bist. Maria lenkt unseren Blick, unser Herz, unsere Hände auf die anderen hin, wie im Haus der Elisabet, wie in Kana. Wir dürfen uns nicht in den engen Kreis unserer eigenen Interessen und Urteile einschließen. Eine grundlegende Solidarität bindet uns an die, die uns in unserer Familie, unserer Heimat nahe sind, und auch an die, zu deren Nächsten man sich machen muss, wie die Menschen der Dritten Welt, denn wir müssen uns unablässig dem Universalen öffnen. Die Liebe im Sinn Gottes hat keine Grenzen. Glücklich jene, die dem Kind, das kommt und das manche zurückweisen, einen Platz einräumen; oder dem Menschen, den die Gesellschaft für unnütz hält, dem Menschen, der an Leib und Geist leidet, dem, der seine menschliche Würde vergessen hat.

Wenn ihr so euer Herz auftut, seid ihr auch aufgerufen zur Sorge um alles, was das Los der Menschen verbessern kann: die Achtung vor dem Leben und der Würde des Menschen, der Einsatz für mehr Gerechtigkeit, Teilen der Güter, Brüderlichkeit und Frieden zwischen den Völkern und sozialen Bereichen, Aufnahme der Fremden, Gesundung der Sitten, Förderung einer Kultur, die dieses Namens würdig ist, usw .... Es liegt bei euch, euch darum zu kümmern, daran zu arbeiten, durch konkrete Einsätze, und so eure Talente zu entfalten, um dem Menschen in all seinen Dimensionen besser zu dienen, die Augen auf Jesus gerichtet, das alleinige Vorbild der Menschheit.

An der Grotte in Lourdes und in den Hospitälern lernen wir, worin die Liebe zum Leben besteht: in der Hilfe, die den Kranken geleistet wird; dort oben in der Beichtkapelle im Anhören all des moralischen Elends, in der tröstenden Vergebung Christi. Die Liebe lässt sich nicht trennen vom Geist des Dienens, der dem Leben, dem Leben der Jugend, seine Bedeutung gibt. Dieser Geist des Dienens schenkt nicht nur Hilfe, er ist vielmehr ein Austausch, Angebot gegenseitiger Gemeinschaft. Simeon sagte zu Maria: "Dein Kind ist dazu bestimmt, ein Zeichen zu sein, dem widersprochen wird" ... "Und Maria stand unter dem Kreuz" (vgl. Lk 2, 34; Joh 19, 25).

Der Weg der Liebe im Geist Christi ist ein schwieriger, fordernder Weg. Wir müssen Realisten sein. Diejenigen, die euch von Spontaneität und Erleichterung sprechen, täuschen euch. Es verlangt geduldige Anstrengung, einen Kampf mit sich selbst, wenn man lernen will, immer mehr sich selbst zu beherrschen und so zu sein, wie Gott uns will. Seid Männer und Frauen mit Gewissen! Erstickt euer Gewissen nicht und verbildet es nicht, nennt das Gute und das Böse beim Namen! Es ist unvermeidlich, dass ihr Widerspruch von seiten einer Gesellschaft erfahrt, deren Fehler und Mängel ja bekannt sind. Wir müssen, ohne von der Liebe zu lassen und mutig, zuerst in uns selbst jene Gesellschaft aufbauen, die wir für morgen wünschen. Der Glaube ist ein Wagnis.

Christus war ein Zeichen des Widerspruchs. Er hat bis in den Tod allen seine Freundschaft angeboten, und Maria stand unter dem Kreuz. Auch Bernadette hat Widerspruch und Leid erfahren. Nicht nur für die anderen hat sie das Wort der Jungfrau weitergegeben: "Buße." Maria hat sie auf die Härte des Weges aufmerksam gemacht: "Ich verspreche dir nicht das Glück auf dieser Erde, sondern im Jenseits." Haben wir keine Furcht: Wenn wir auf diese Forderungen eingehen, dann verbindet uns das wirklich mit Christus, der sein Leben hingibt; es ist eine Quelle innerer Freude und eine Voraussetzung für die Wirksamkeit der Kirche in der Welt.

"Christus hat seine Kirche geliebt und sich für sie hingegeben, um sie heilig zu machen ... Er wollte sie vor sich erscheinen lassen ohne Flecken und Falten, heilig sollte sie sein und makellos" (vgl. Eph 5, 25-27).


Auch wir lieben die Kirche. Und wie sehr wünschten wir, dass sie noch lauterer sei, noch mehr frei von allem Kompromiss! Aber wir sind ja die Kirche! Wir dürfen sie nicht kritisieren, als ob sie etwas außerhalb unser selbst wäre. Wenn wir die lieben, die sie in sich schließt, wenn wir bereit sind zum Dienst, werden wir mit ihr zusammen Formen neuen Lebens und eine echte, wahre Sprache suchen und finden können. Wir werden Plätze finden, wo jeder leichter seine Berufung erfüllen kann. Wir werden auch entdecken, dass die Pfarrei der Ort ist, an dem wir mit unseren Brüdern und Schwestern aus allen Kreisen und jeder Altersstufe zu einem Leib verbunden sind. Mit der Kirche zusammen dienen wir der Sache des Menschen. Mit ihr fürchten wir uns auch nicht mehr, in Liebe und Achtung vor den anderen unseren Glauben zu bekennen und hinauszurufen, denn wie sonst könnte die gleichgültige Welt ihn kennenlernen? Wir werden dazu beitragen, in die Kirche, in jede ihrer Pfarreien, ihrer Bewegungen, ihrer Seminare die jugendliche Frische des göttlichen Geistes einzubringen!

"Geht, macht alle Völker zu Jüngern!" Dieser Auftrag des Herrn wurde Petrus und den anderen Aposteln anvertraut. Und auch ich sende euch alle als Getaufte und Gefirmte in die Mission. Und, meine lieben Jugendlichen, ich habe euch etwas Wichtiges zu sagen: Ich möchte, dass eine Anzahl von euch dem Anruf des Herrn ihr "Ja" zur Antwort geben und alle ihre Kräfte in seinen ausschließlichen Dienst stellen. Vielleicht ist dies der Ort und die Stunde, um vor Maria darüber nachzudenken.

Maria, die Mutter der Kirche, möge weiterhin dem mystischen Leib Christi Gestalt geben! Sie lehre uns, der Kirche zu dienen! Am Pfingsttag "waren die Jünger zusammen im Obergemach und verharrten im Gebet mit Maria, der Mutter Jesu" (vgl. Apg 1, 13-14). Maria, lehre uns beten! Lassen wir uns wie Maria vom Feuer des Geistes erfüllen! Viele von uns haben die Freude am Gebet entdeckt, die Freude daran, an Gott zu denken und ihn zu lieben, ihn gemeinsam zu loben und seinem Wort zuzuhören. Das Gebet ist aber nicht in erster Linie dazu da, uns selbst zufriedenzustellen. Es bedeutet Entäußerung unser selbst, um uns dem Herrn zur Verfügung zu stellen und ihn in uns beten zu lassen. Im Gebet atmet die Kirche und stellt sich auf Gott ein. Es ist ein wesentlicher Dienst in der Kirche, der Dienst des Lobes und der Dienst, der den Menschen sich dem Erlöser öffnen lässt. Es steht am Ursprung und am Ende unserer Bemühungen. Dass wir doch nie die Aktion und die Kontemplation voneinander trennen mögen! Und möge unser Beten in der Eucharistie den zentralen Punkt finden, an dem Christus selbst unser Leben ergreift, um es zusammen mit dem seinen darzubringen und es fruchtbar zu machen.

Alles, was wir soeben in Erinnerung gerufen haben, lässt uns das wahre Leben in den Blick nehmen. Christus will, dass wir das Leben lieben, dass wir die Freude am Leben und am Lieben um uns verbreiten. Er ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben.

O Mutter, gesegnet du unter allen Müttern, dir vertraue ich alle hier anwesenden Jugendlichen an und die Jugendlichen der ganzen Welt. Ich bitte dich für alle und für jeden: gib ihnen die Gnade, das Leben zu lieben, deinem Sohn Jesus Christus ihr volles Vertrauen zu schenken und konkret mit der Kirche zusammenzuarbeiten in ihrer Sendung für Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden!

Und nun wollen wir gemeinsam Gott danken, indem wir die Worte Mariens wieder aufnehmen.

Johannes-Paul II.

(In Spanisch)
Mit besonderer Zuneigung grüße ich heute die vielen jungen Menschen aus verschiedenen Teilen Spaniens und Lateinamerikas. Liebe Jugendliche: Als Ergebnis dieses Treffens ermutige ich euch, mit neuer Begeisterung die immer lebendige Gestalt der Mutter des Erlösers zu suchen. Damit ihr wie sie immer treu zu Christus und der Kirche bleibt. Und damit, vereint durch die gleichen Gefühle der Liebe zum Leben und zu den Anderen ihr gemeinsam auf dem Weg bleibt, der euch zum Vater führt. Mit meinen aufrichtigen Dank für euren herzlichen Empfang segne ich euch von Herzen.
(Con particular afecto saludo ahora a los numerosos jóvenes llegados de diversos lugares de España y Latinoamérica. Queridímos: como fruto de este encuentro, os animo a mirar con renovada ilusión la figura siempre viviente de la Madre del Redentor. Que, como ella, sepáis ser siempre fieles a Cristo y a la Iglesia. Y que, unidos por idénticos sentimientos de amor a la vida y a los hermanos, caminéis juntos por la senda que os lleva al Padre. Con mi sincero agradecimiento por vuestra cariñosa acogida, os bendigo de corazón.)

(In Englisch)
Ich möchte nun ein Wort für alle englischsprachigen jungen Leute hinzufügen. Beim Nachdenken über das Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, zu dem wir berufen sind, als Mitglieder der Kirche Christi zu leben, entdecken wir sofort ein tiefes persönliches Bedürfnis nach Gebet. Liebe Jugendliche, das Gebet hält uns mit Christus vereint. Das Gebet ermöglicht uns, wahre und großzügige Liebe für einander zu bewahren, und der Welt einen nachhaltigen Dienst zu leisten. Lasst uns heute und immer beten gemeinsam mit Jesus Christus, dem Sohn Mariens und unserem Bruder, dem Sohn Gottes und Heiland der Welt.  (I now wish to add a word for all the English-speaking young people. In reflecting on the life of faith, hope and love that we are called to live as members of Christ’s Church, we immediately discover a deep personal need for prayer. Dear young people, it is prayer that keeps us united with Christ. Prayer enables us to persevere in true and generous love for each other, and to make a lasting contribution of service to the world. Let us pray today and always together with Jesus Christ, the Son of Mary and our brother, the Son of God and Saviour of the world.)

(In Deutsch)
Liebe Jugendliche aus den Ländern deutscher Sprache! Von ganzem Herzen wünsche ich Euch, dass Ihr noch oft eine solche brüderliche Verbundenheit im gemeinsamen Beten erfahren könnt, wie wir sie in diesen Stunden hier in Lourdes erlebt haben. Dann werdet Ihr froh im Glauben und bestärkt in Eurer Verbindung mit Jesus Christus und seiner Kirche. Maria begleite Euch auf diesem Weg mit ihrer mütterlichen Fürsprache!

Johannes-Paul II.