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LOURDES 2017 Das Magnifikat der Hoffnung

La Vierge du MagnificatDas Magnifikat
der Hoffnung

Der Weg des Trostes

Pastoralthema 2017 : „Der Herr hat Großes an mir getan!“

Pastoralthema 2017

Die Wallfahrtsstätte Lourdes lädt die Pilger für das Jahr 2017 ein, dem Weg zu folgen, der anlässlich des Welttags der Kranken eröffnet wird. Dieser Tag feiert in Lourdes sein 25-jähriges Jubiläum- das erste Mal wurde er am 11. Februar 1993 abgehalten- und wird daher  in diesem Jahr ganz besonders begangen.

Wir sind aufgefordert, den Blick Mariens auf das Leiden zu richten. Im Evangelium, weiß sie von Anfang an um die Bedürfnisse der Menschen und zeigt diese Jesus. Gleichzeitig zeigt sie den Menschen den Weg ihres Sohnes auf1. Sie bleibt, während des gesamten Lebens und Wirkens Jesu, diejenige, die ihn mit ihrem Glauben begleitet, was besonders durch das Geschenk ihrer Anwesenheit am Fuß des Kreuzes deutlich wird: Dort wird ihr der Jünger zum Sohn gegeben. (Joh 16, 21). Jeder Schmerz mit ihr wird zur Geburtswehe. Sie ist "die Mutter", die empfängt und die Gabe der Liebe des gekreuzigten Jesus weitergibt.

Sie ist es, die sich Bernadette, im Inneren der dunklen Nische eines pyrenäischen Felsens zu sehen gibt. Bernadette stößt auf eine Sackgasse. Sie kann auf der anderen Seite des Flusses "einen ganzen Berg von Holz und Knochen“ sehen, genau das, was sie sich zu finden erhofft hatte, aber selbst das wird ihr durch den Kanal mit seinem eisigen Wasser unerreichbar gemacht. Dieser Moment fasst ihre ganze Existenz zusammen, gezeichnet vom Misserfolg durch die Krankheit, die Missernten und die Misswirtschaft, die Unfähigkeit, in der Schule den Katechismus zu lernen. Mit 14 Jahren ist sie eine Außenseiterin am gesellschaftlichen Rand von Lourdes. Sie hätte ohne weiteres aus Lourdes verschwinden können, ohne dass jemand sich darum gesorgt hätte …

Aber jemand hat sie gesehen, tief drin in ihrer Nische. Ein junges Mädchen „genauso jung und genauso klein wie ich“ wird Bernadette sagen. Jemand, der ihr ähnelt, jemand, der genau wie sie, unbedeutend in den Augen der Menschen, dennoch von Gott im Dunkel ihrer Grotte in Nazareth aufgesucht wurde. „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz“ (1 Sam 16, 7.)

Mit ihrem Blick und ihrem Lächeln teilt Maria mit Bernadette die Freude des Magnifikat, die Fülle des Lebens desjenigen, der sich von Gott besuchen lässt. Maria teilt mit der Kirche von neuem diese Freude, das „Geräusch wie von einem Windhauch“ zu hören, der Hauch von Pfingsten, der Hauch des Neubeginns. „Sie schaute mich an, wie eine Person, die mit einer anderen Person spricht.“ Ich existiere für jemanden! Das ist die Freude der Kleinen, die Freude selbst der Dreifaltigkeit der göttlichen Personen, die auch eine durch die anderen existieren!

„…Du hast mich so wunderbar gestaltet; ... staunenswert sind deine Werke“ Ps 139, 14
„Du hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter“ Ps 139, 13
„Verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden“ Ps 71, 9
„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Mt 25, 40


In Lourdes besonders, wie im Verlauf des Evangeliums und der Geschichte der Kirche werden uns das Gesicht und die Präsenz der Kleinen aufgezeigt. Als Maria Bernadette letztendlich ihren Namen offenbarte, bezeichnet sie sich als die Unbefleckte Empfängnis, die ganz Erleuchtete mit einer Reinheit, die nicht ihre ist, sondern die sie von oben, aus dem Herzen der göttlichen Liebe selbst empfangen hat. Ich bin diejenige, die der Gottesliebe keine Steine in den Weg legt, die sich ihm so öffnet, dass er sich bei mir zu Hause fühlt, sodass er in mir Fleisch werden kann. Maria nennt ihren Namen am 25.März, dem Tag der Empfängnis Jesu in ihrem Schoß. Sie ist nicht allein in der Grotte. Eine Art geistliche Ultraschallaufnahme gestattet uns, mit Jesus, der in ihrem Leib anwesend ist, zu kommunizieren.
Maria lädt uns ein, uns von dem rein Äußerlichen loszulösen, um in den verborgensten Ecken des Herzens die Allmacht der sich hingebenden Liebe zu entdecken. Sie fordert uns auf, den dicken Panzer unseres Stolzes und unserer Ängste abzustreifen - damit die Quelle sprudeln kann - und die Waffen zu strecken vor dem ganz Kleinen, das uns leben lässt und uns Einlass gibt ins Reich Gottes.
Es sind die Armen, die Kranken, die deren Herzen, wie ausgetrocknet sind, die nach Lourdes kommen, um dort einzutauchen und ein Bad der Barmherzigkeit zu nehmen.

Maria Salus Infirmorum
Maria Refugium peccatorum
Maria Consolatrix afflictorum


In Maria, der Unbefleckten, zeigt der Herr uns das Geschöpf auf, das von der Krankheit der Sünde vollständig befreit ist und damit fähig, Bernadette, deren Leben doch von so vielen Einschränkungen gezeichnet ist, einen Weg der Gnade zu eröffnen.

Lourdes wird zu einem Ort der Heilung für die Kranken, einem Ort der Umkehr für die Menschen, deren Herz durch Sünde verhärtet ist ein Ort der Hoffnung und Erneuerung des Lebens, das weitergegeben werden soll.

„Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. 4 Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden.“(2 Kor 1, 3-4).

Mit Maria empfangen wir den Atem des Heiligen Geistes, der Tröster ist.

Im Magnifikat dankt Maria für die Gabe des Lebens, das in ihrem Leib entsteht, es ist Gott selbst , der sich dem ganz Unbedeutenden annimmt: "Mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter" (mein Jesus).  Vom Mutterleib bis ins hohe Alter ist das Leben ein Wunder, eine Gabe Gottes!
Während des Evangeliums und im Verlauf der Geschichte der Kirche handelt der Herr, indem er die Kranken heilt. Und seine barmherzige Güte wird in besonderer Weise im Gesicht Mariens deutlich, der Mutter, die gebiert und immer einen Weg eröffnet, bis hin zum Kreuz, wo sie in sich den Glauben der ganzen Kirche sammelt. Sie ist „salus infirmorum“ (Heil der Kranken), sie ist diejenige, die empfängt und diese Gabe Gottes, die Gabe des Lebens weitergibt. Besonders die Heilungen von Lourdes seit der Zeit der Erscheinungen, legen hierfür Zeugnis ab.

Magnificat !

Maria ist in Lourdes auch „refugium peccatorum“ (Zuflucht der Sünder) und bittet als solche „für die Sünder zu beten“, Buße zu tun, bittere Kräuter zu essen, sich auf dieses tierische, primitive Niveau herab zu begeben, wo sich der Sünder hinbegeben hat. Aber in den Tiefen des Unreinen und des Schlammes selbst sprudelt eine verborgene Quelle, die Quelle der Taufe, die der Herr niemals aufgegeben hat und die er wieder zum Vorschein bringt: die Quelle der Vergebung und der Barmherzigkeit. Lourdes ist eine solche Oase der Barmherzigkeit, zu der jeder kirchliche Ort werden sollte, ein Ort der Heilung des Herzens durch die Kraft der Vergebung. Die Buße ist Ausdruck der Solidarität zu diesem Weg der Erneuerung des Geistes und des Herzens.

Schließlich ist Maria ,“consolatrix afflictorum“ (Trösterin der Betrübten), uns geschenkt als schönste Frucht des Heiligen Geistes , als bevorzugte Mittlerin des Parakleten, des Trösters. Sie erleuchtet den Weg der Apostel, denn sie ist dazu berufen, diese Kraft des Trostes weiterzugeben, die diese selbst zu spüren bekommen haben, um somit auch selbst zu Tröstern zu werden. Sie werden ein Teil derer, die über das Unglück der Schöpfung weinen, die Gott doch so schön erschaffen hatte und die die Zeit der Gnade nicht erkannt hat, in der der Herr sie besucht hat! (Lk 19, 44) Aber dieses Wehklagen ist Ausdruck des Schmerzens der noch andauernden Geburtswehen. Der Pilger des Trostes wird zum Träger eines neuen Lebens, wie es der Heilige Paulus formuliert. (2 Kor 1, 3-4).

Lourdes ist der einzige Ort auf der Welt, an dem die Unglücklichsten, die Leidenden „ausgestellt“ werden, die man doch normalerweise verstecken und nicht sehen will, weil sie uns unsere Schwachheit, unsere Schwächen und unsere Einschränkungen aufzeigen… Aber hier werden die Verletzungen zu Türen des Lichts, durch die Gnade eines Blickes, der nicht urteilt, sondern liebt. Die Frucht unserer Aufbruchs zur Wallfahrt könnte eine Erneuerung unseres Blickes sein, der gelernt hat zu lieben und existieren lässt. Die Bernadettes von heute zeigen uns einen Abglanz des Lächeln Mariens: die Armen und die Schwachen machen uns vertraut mit dem Leben Gottes und Jesu Christi.
Wir schlagen in diesem Zusammenhang gern vor, die Kapitel 8 und 9 des Matthäus-Evangeliums noch einmal zu lesen. Jesus steigt den Berg wieder hinab, auf dem er ein neues Gesetz verkündet hat; ein Gesetz, dass sich nicht von dem des Mose unterscheidet, sondern das gleiche Gesetz ist, das nun aber endlich erfüllt ist durch die Gabe seiner Liebe und den Hauch seines Geistes. Jesus heilt dann Kranke, um dem Volk etwas von dem besten Wein zu geben, der jetzt ausgeschenkt werden kann: die Freude der Vergebung, die den Zöllner Matthäus von der schlimmsten Krankheit heilt, der des Geldes. Jesus sagt ihm: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. 13 Darum lernt was es heißt: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. „Denn ich bin gekommen, die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“ (Mt. 9,12.13)

Mit Maria und Bernadette lasst uns danken für diesen Ort und diese Zeit der Barmherzigkeit. Unser Leib und unsere Seele öffnen sich den Werken Gottes, den Werken der Heilung und der Vergebung, die uns zum Verkünden und zur Verbreitung anvertraut sind.

Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden. 36Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. 37Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. 38Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. (Mt 9, 35-38)

Der Weg des Magnifikats der Heilung,
der

Vergebung, der Sendung

  • Der Mensch sieht das Äußere, Gott sieht das Herz.

Welche wunderbaren Dinge könnte ich in meinem Leben, in meiner Geschichte, um mich herum erkennen, wenn ich die Augen meines Herzens öffnen würde?

  • Wer sind für mich die Bernadettes von heute?

Wie verhalte ich mich gegenüber den Schwächsten und Kleinsten?
Welchen Blick haben wir auf das noch ungeborene Kind oder auf den Sterbenden, dessen Leiden kein Ende nimmt?

  • Maria, Heil der Kranken

Gesundheit des Körpers, Gesundheit des Herzens … Was heißt es bei guter Gesundheit zu sein?
Hätte ich eine Bitte um Heilung vorzutragen?

  • Maria, Zuflucht der Sünder

Welche Bereitschaft zur Gewalt, welche Beihilfe zum Tod kann ich in meinem Innersten identifizieren.
Welcher Weg der Vergebung soll sich mir eröffnen?
Zu welchen Gesten der Buße, der Rückkehr zur Quelle bin ich aufgerufen?

  • Maria, Trösterin der Betrübten

Bin ich bereit, den Trost anzunehmen, der mir in schwierigen Momenten entgegengebracht wird? Welche Freude der Erneuerung wird mir angeboten?

  • „Das Wunder von Lourdes, ein verwandeltes Herz“

Welcher Trost, welche Quelle der Erneuerung ist es, aus der zu schöpfen und die zu teilen ich aufgerufen bin?
Welche Sendung ist mir gerade jetzt aufgetragen?

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Maria, Mutter und Vorbild der Kirche, als »Salus infirmorum – Heil der Kranken« angerufen und verehrt wird. Als erste und vollkommene Jüngerin ihres Sohnes hat sie, während sie die Kirche auf ihrem Weg begleitet, immer eine besondere Fürsorge für die Kranken gezeigt… Am Gedenktag der Erscheinungen in Lourdes – einem von Maria bevorzugten Ort, um ihre mütterliche Sorge für die Kranken zu offenbaren –, gibt es in der Liturgie treffenderweise Anklänge an das Magnifikat…  das  nicht der Gesang derer ist, denen das Glück winkt, die immer »Rückenwind« haben. Es ist eher das Danklied derer, die die Tragödien des Lebens kennen, aber auf das erlösende Handeln Gottes vertrauen… Wie Maria bewahrt die Kirche in ihrem Inneren die Dramen des Menschen und den Trost Gottes, sie hält sie zusammen auf dem Pilgerweg der Geschichte... Sind das angenommene und aufgeopferte Leiden, das echte und unentgeltliche Teilen nicht Wunder der Liebe?...“
Benedikt XVI, 11.Februar 2010

Das Magnificat ist der Gesang der Hoffnung, es ist der Gesang des Gottesvolkes, das in der Geschichte unterwegs ist.  […] Das singt an diesem Tag auch die Kirche, und sie singt es in allen Teilen der Welt. Dieser Gesang ist besonders intensiv, wo der Leib Christi heute die Passion erleidet. Wo das Kreuz ist, da gibt es für uns Christen auch Hoffnung. Immer. Wenn keine Hoffnung da ist, sind wir keine Christen. Darum sage ich gerne: Lasst euch die Hoffnung nicht stehlen! Dass sie uns die Hoffnung nicht stehlen, denn diese Kraft ist eine Gnade, ein Geschenk Gottes, das uns voranbringt, indem wir auf den Himmel schauen! Und Maria ist immer dort, nahe bei den Gemeinschaften, die leiden, bei diesen unseren Brüdern und Schwestern, ist mit ihnen unterwegs, leidet mit ihnen und singt mit ihnen das Magnificat der Hoffnung.
Papst Franziskus, Predigt 15. August 2013

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